Gendern, aber wie?

Über den Begriff Gender

Der Begriff Gender stammt aus dem Englischsprachigen und ist eine Geschlechtsbezeichnung in der Grammatik. John Money, ein amerikanischer Psychologe, führte diesen Terminus 1955 in die Sexualwissenschaften ein, um die Diskrepanz zwischen physiologischen Geschlechtsmerkmalen und den soziokulturellen Bedeutungen von Weiblichkeit und Männlichkeit beschreiben zu können. Der Begriff Gender erhielt somit eine neue Bedeutung. Dem gegenüber steht die englischsprachige Bezeichnung des biologischen Geschlechts Sex. In feministischen Theorien wird der Zusammenhang der beiden Begriffe kritisch betrachtet. Daraus resultierte der Terminus doing gender, welcher darauf verweist, dass Gender als soziale Geschlechtsidentität nicht einfach gegeben ist, sondern im Zuge sozialer Interaktionsprozesse zugeschrieben und ausgehandelt wird. Gender wird somit als Kategorie aufgefasst, die sowohl konstruiert als auch dynamisch ist und von historischen, kulturellen sowie sozialen Kontexten abhängig ist. Dadurch lässt sich ableiten, dass diese Kategorie veränderbar ist. Sex ist dieser Ansicht nach eine natürliche und starre Kategorie. Weiterführende Theorien gehen jedoch davon aus, dass auch Sex eine konstruierte und zugeschriebene Kategorie darstellt.

Geschlechtsidentität
Der Terminus Geschlecht wurde und wird viel diskutiert und enthält verschiedene Begrifflichkeiten. Die Geschlechtsidentität (ob sich eine Person z.B. als Mann oder Frau fühlt) kann nicht automatisch dem biologischen Geschlecht zugeordnet werden und wird als Selbstzuschreibung betrachtet. Diese steht zwar in Bezug zu den Geschlechtsrollen, welche die gesellschaftlich erwarteten Verhaltensweisen (z.B. die Art des Sprechens) und Äußerlichkeiten (z.B. Kleidung) darstellen, muss aber nicht mit diesen übereinstimmen. Darüber hinaus muss die Geschlechtszugehörigkeit von der sexuellen Orientierung getrennt werden. Die binäre Unterscheidung der Geschlechter in Mann und Frau ist, entgegen der Auffassung vieler Menschen, nicht gegeben. Dies ist durch die Existenz alternativer Geschlechtsformen wie inter oder trans bewiesen. Geschlechtsidentitäten sind vielfältig und sollten deshalb in der Sprache repräsentiert werden.

Gendern
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich in geschriebenem Wort geschlechtergerecht auszudrücken. Wie im Text über „Schön sprechen?!“ beschrieben, besteht ein Missverhältnis in der Repräsentation von Frauen* z.B. in Berufsbezeichnungen: „die Lehrer“ meint nicht notwendigerweise Frauen* „mit“. Eine Möglichkeit ist das Binnen-I, also „die LehrerInnen“. Damit sind Männer und Frauen gemeint.

Neben dem Binnen-I gibt es Formen des Genderns, die Menschen abseits des binären Geschlechtersystems miteinbeziehen. Beispiele hierfür sind der Gender-Gap (z.B. Lehrer_innen) sowie der Asterisk/das „Sternchen“ (z.B. Lehrer*innen). Mit diesen Formen werden nicht nur Frauen und Männer dargestellt, sondern auch Menschen, die sich nicht in der Zwei-Geschlechter-Welt verorten, wie beispielsweise inter-, trans-, genderqueere und gender fluidity Personen.

Eine gute Adresse für die weitere Beschäftigung mit diesem Thema ist die Antisexismus-Broschüre des autonomen Redaxkollektivs:
https://antisexismusbroschuere.wordpress.com

Link zur Broschüre:
https://antisexismusbroschuere.files.wordpress.com/2014/11/12.pdf

 

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