Stellungnahmen der ZV zur PBN

Zentrumsvertretung Lehramt gegen Schmalspuränderungen der Lehramtscurricula im Raum Wien/Niederösterreich

Ein qualitätsvolles neues Lehramtsstudium kann nur auf Augenhöhe zwischen PHs und Uni Wien entwickelt werden. Der eng gefasste Zeitplan und die eng gesteckten inhaltlichen Vorgaben des Verbunds Nord-Ost verhindern eine fundierte, qualitätsstiftende Überarbeitung

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Im Laufe der nächsten Monate soll das bestehende, neue Sekundarstufen-Bachelorcurriculum der Uni Wien um Lehrinhalte der PH Wien, KPH Wien/Krems, PH Niederösterreich und der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik (HAUP) zu einem gemeinsamen Curriculum „erweitert“ werden. Das Ziel der fünf kooperierenden Rektorate ist dabei, das im Wintersemester 2014/15 in Kraft getretene Curriculum der Uni Wien strukturell nicht anzutasten und lediglich um Lehrinhalte der Pädagogischen Hochschulen abseits der Fachwissenschaften zu ergänzen.

Arbeit an qualitätsvollen Curricula nur auf Augenhöhe

Wie kürzlich bereits im Standard deutlich geworden, üben wir als Zentrumsvertretung der Lehramtsstudierenden an der Uni Wien Kritik an der Vorgangsweise bei der „Erweiterung“ der Lehramtscurricula im Raum Wien/Niederösterreich. Prinzipiell befürwortet die Zentrumsvertretung die Kooperation und sieht in ihr das Potential für eine neue, qualitativ hochwertigere Lehrer*innenausbildung in Zeiten zunehmender Herausforderungen an Lehrer*innen. So bestünde zwar die Perspektive, dass die Ausbildung von den Stärken der Universität Wien und der PHs profitiert. Doch die Eckpunkte der Kooperation und die bundesweiten Rahmenbedingungen lassen eine solche grundlegende Verbesserung kaum möglich erscheinen. So wird keineswegs auf Augenhöhe gearbeitet: Die Pädagogischen Hochschulen haben sich dem Diktat der Uni Wien anzupassen und können auf diesem Wege viele ihrer Stärken – etwa im Bereich der Neuen Mittelschule, Inklusionspädagogik, Fachdidaktik und Schulpraxis – kaum einbringen, da hierfür das Curriculum grundsätzlich überarbeitet werden müsste. Bildet das bestehende Curriculum der Uni Wien die Vorlage, ist eine kreative, offene Curricularentwicklung kaum möglich. Viele gute Ideen der PHs werden künftig nur in geringen Anteilen im Studium vorhanden sein oder gar verlorengehen, was besonders, aber nicht nur für den Raum Wien schwere Konsequenzen nach sich ziehen könnte.

Wissend, dass dies ein neues Lehramtscurriculum innerhalb weniger Jahre bedeuten würde, spricht sich die Zentrumsvertretung dennoch für eine solche grundsätzliche Änderung auf Augenhöhe mit den PHs aus. Hierfür fordert die Zentrumsvertretung auch eine Anpassung der gesetzlichen Grundlagen, die den Start der neuen Sekundarstufen-Studien für die PHs spätestens im Wintersemester 2016/17 vorsehen und den Akteur_innen im Verbund Nord-Ost einen zu eng gefassten Zeitplan aufzwingen, um eine wirklich qualitätsstiftende Überarbeitung des Curriculums zu ermöglichen. Im Rahmen der Gesetzesnovelle, die im Herbst erwartet wird, muss ein entsprechend realistisches Zeitfenster garantiert werden.

5 Hochschulen – 2 Monate – 1 Curriculum

Dabei nimmt die Zentrumsvertretung die beteiligten Rektorate nicht aus der Verantwortung: Nachdem sich in den vergangenen zwei Jahren bezüglich der Kooperation nicht viel getan hatte, überschlugen sich die Ereignisse in den letzten Wochen, obwohl seit 2013 bekannt war, dass die PHs mit den Universitäten kooperieren müssen. So wurde im Mai ein sehr straffer Zeitplan fixiert, der hochschulübergreifende Nominierungen in entsprechende Arbeitsgruppen in kürzester Zeit und erste Sitzungen bereits im Juni vorsah. Fertige erste Entwürfe der „erweiterten“ Teilcurricula sollen über die Sommerferien bis Anfang Oktober abgeliefert werden. Da die Erarbeitung jetzt im Juni begonnen hat und dann im September fortgesetzt wird, bleiben also im Wesentlichen nur zwei Monate Zeit, das Curriculum zu „erweitern“.

Studierende zum Pendeln gezwungen

Darüber hinaus sind vielerlei essentielle Punkte noch immer nicht geklärt: So weiß noch niemand, wie die Praxisanteile im Studium organisatorisch aussehen sollen und in welcher Form diese im Master mit der Induktionsphase verschränkt werden können. Ebenso ungeklärt ist noch die Betreuung, aber auch andere größere Punkte wie etwa die Frage nach einem “gemeinsamen” Studienrecht für Studierende. Derzeit gelten zwei verschiedene Bundesgesetze für die beiden Hochschulsektoren, die auch mit der letzten Gesetzesnovelle nicht unter einen Hut gebracht werden konnten.

Weiteren Unmut löst die Tatsache aus, dass mit einem gemeinsamen Curriculum Studierende von entlegeneren Standorten wie Krems und Baden höchstwahrscheinlich zum Pendeln gezwungen werden, da ja der Hauptschwerpunkt der neuen Ausbildung (insbesondere im fachwissenschaftlichen Bereich) bei der Uni Wien liegen soll. Fehlen weiters etwa Seminarplätze in Wien, ist außerdem derzeit nicht auszuschließen, dass Studierende in Wien auch Plätze an anderen Standorten – auch außerhalb Wiens – annehmen müssen. Die Zentrumsvertretung Lehramt erachtet es unter solchen Bedingungen als notwendig, dass Lehramtsstudierende keine Fahrtkosten zu tragen haben und die Wege kurz gehalten werden, um sozialer Selektion entgegenzuwirken. In diesem Sinne befindet die Zentrumsvertretung ein kostenloses Semesterticket für alle Lehramtsstudierenden als erforderlich und ist der Ansicht, dass die beteiligten Hochschulen mit der Stadt Wien, dem Land Niederösterreich und den Verkehrsunternehmen in der Region in Verhandlung treten müssen. Kooperative Lehramtsstudien dürfen nicht auf Kosten sozialer Sicherheit der Studierenden gehen!

derStandard.at, “Kritik an neuer Lehrerausbildung in Wien

derStandard.at, “Lehrerausbildung: Fortsetzung im Schulchaos
Presseaussendung der Kirlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems vom 26.6.2015

Presseaussendung der Pädagogischen Hochschule Wien vom 26.6.2015

Presseaussendung der Zentrumsvertretung Lehramt vom 26.6.2015

Presseaussendung der ÖH Uni Wien vom 26.6.2015

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