DR-VA1

Die Zentrumsvertretung Lehrer*innenbildung an der Universität Wien veranstaltete am 17.12.2015 ein Q & A zum Lehrer*innendienstrecht. Als Vortragende eingeladen waren Uschi Hafner (FCG, Vorsitzende des Fachausschusses AHS Wien, GÖD-Vorstandsmitglied) und Friedrich Fröhlich (Leiter der Abteilung für „Personalangelegenheiten der AHS und der Bildungsanstalten“ des BmBF). Hier finden Sie die Zusammenfassung aus einem Audiomitschnitt (kein Anspruch auf Vollständigkeit).

Zunächst referierte Dr. Fröhlich zum Ist-Stand des neuen Lehrer*Innendienstrechts seit 2013/14, Mag. Hafner setzte mit Erläuterung zum Unterrichtspraktikum und Ausführungen zu Lehrverpflichtung und Gehalt fort.

In dieser Zusammenfassung versuchen wir nicht die Inhalte der beiden Vorträge wieder-, sondern eine Chronologie der nach dem Studium folgenden Schritte zu geben.

Grundsätzlich gilt, wer ab 1.09.2019 ein Dienstverhältnis als Lehrer*in beginnt, befindet sich im neuen Lehrer*Innen Dienstrecht (LD). Wer zwischen 2015-2019 alle Voraussetzungen für einen Dienstantritt erfüllt muss sich vor Unterschrift des Vertrags, schriftlich für das alte Dienstrecht entscheiden. Für diese Wahl gibt es ein mit der Gewerkschaft abgestimmtes Formular und Merkblatt.

Voraussetzungen die erfüllt werden müssen:

  • Abgeschlossenes Diplom-Lehramtsstudium
  • Abgeschlossenes Unterrichtspraktikum
  • positive Bewertung des Unterrichtspraktikums.

Das Unterrichtspraktikumsgesetz läuft 2019 aus, da es sich dabei um ein Ausbildungs- und kein Dienstverhältnis handelt, müsste es also bis spätestens Juli 2019 abgeschlossen sein und der Dienstvertrag wie oben angegeben vor 1.09.2019 unterschrieben werden. Gleichzeitig zum Unterrichtspraktikum kann auch ein Sonderlehrvertrag eingegangen werden, was die Anstellung im aLD ermöglicht. Das bedeutet, dass solange es bei der derzeitigen Frist bleibt (Stand März 2016), das Diplomstudium im Laufe des Sommersemesters 2018 abgeschlossen werden muss, oder bevor auslaufen der Frist für die Anmeldung des Unterrichtspraktikums 2018/19.

Da das alte LD den Bachelor oder Master-Abschluss nicht als Qualifikation für einen Dienstantritt anerkennt, haben diese Absolvent*innen keine Wahlmöglichkeit. Umgekehrt kennt das neue LD den Diplomstudienabschluss (noch) nicht als Qualifikation an, was dazu führen könnte, dass Student*innen, die ihr Diplom-Lehramtsstudium bis 30.04.2020 (Frist Universität Wien) abgeschlossen haben, trotzdem keinen „normalen“ Dienstvertrag bekommen.

Im neuen LD gilt das erste Dienstjahr als „Induktionsphase“, diese kann auch blockweise absolviert werden, wenn z.B. nur eine Karenz- oder Krankheitsvertretung übernommen wird. Dabei ist das Ausmaß der Unterrichtsverpflichtung nicht erheblich, es muss nur ein Dienstverhältnis bestehen. Eine Betreuungslehrkraft (=Mentor*in) begleitet, ähnlich dem Unterrichtspraktikum, das erste Dienstjahr und erstellt eine Beurteilung, wobei Mentor*innen keine Fachkolleg*innen sein müssen und bis zu drei Mentees begleiten dürfen.

Betreuungslehrkräfte müssen mindestens fünf Jahre Lehrerfahrung an einer Schule besitzen und einen Universitätslehrgang zu 60 ECTS absolviert haben. Dieser Lehrgang ist erst ab dem Schuljahr 2029/30 verpflichtend, zuvor können auch Betreuer*innen des Unterrichtspraktikums/Schulpraktikums/Absolvent*innen des 30 ECTS Lehrgangs dieses Mentoring übernehmen.

 

Die Induktionsphase ist also das erste Dienstjahr, innerhalb der ersten fünf Dienstjahre sollte über das Bachelorstudium hinaus das vier-semestrige Masterstudium absolviert werden. Erst mit abgeschlossenem Master ist eine unbefristete Anstellung und damit auch Vorrückung im Gehaltsschema verbunden. Diese Nachqualifikation wird ist eine Pflicht, was bedeutet, dass ohne Qualifikation nach den ersten fünf Jahren ein ständiger Kündigungsgrund vorliegt.

 

Die Lehrverpflichtung liegt im neuen Dienstrecht bei 22 Wochenstunden im Unterricht und in qualifizierter Betreuung von Lernzeiten im Rahmen der Tagesbetreuung. Bei besonders vor- und/oder nachbereitungsintensiven Fächern in der Sekundarstufe sind es 2: 20 Wochenstunden. Im Falle einer Vollgeschäftigung sind weitere zwei Wochenstunden aus einem Katalog von Aufgaben zu erfüllen. hierzu zählen zum Beispiel KV, Mentor*in, Kustodiate ,Qualitätsmanagement, Fachkoordination, Studienkoordination oder qualifizierte Beratungstätigkeit. Es besteht weiterhin eine Fortbildungsverpflichtung für Lehrpersonen, neu ist allerdings, dass bis zu 15 Stunden davon auf Anordnung in der Unterrichtsfreizeit geleistet werden könnten.

Für Lehrpersonen in der Sekundarstufe II ist ein abgeschlossenes Master Studium verpflichtend.

Zu den Gehaltsschemata:
Altes LD: bi-Annale (zwei jährige) Vorrückung, unterschiedlicher Höhe
Neues LD: Vorrückung nach: 3,5; 5; 5; 6; 6; 6 Jahren, um ca €355 (Stand 31.12.2015)

Das Einstiegsgehalt liegt im neuen Dienstrecht derzeit bei mindestens € 2.513 bei voller Lehrverpflichtung von 24 Stunden (Stand: 2015), die zweite Stufe wird nach 3 ½ Jahren anrechenbarer Dienstzeit erreicht. Die Gehaltstabelle hat nur mehr 7. Stufen, wobei das maximal Entgelt mit Stand 2015, bei € 4.484 liegt.

Im neuen Dienstrecht erreicht man nach 25,5 Jahren das höchstmögliche Entgelt. Bei einer Übernahme von Spezialfunktionen gibt es eine monatliche Zulagen von bis zu 156 € für Mentoring, Bildungsberatung, Berufsorientierungskoordination, Lerndesign, Sonder- und Heilpädagogik und Praxisschulunterricht. Darüber hinaus gibt es eine Suppliervergütung, aber erst ab der 25. Supplierstunde im Jahr. Außerdem gibt es einen Abschlag von 15% beim Monatsentgelt für noch im Lehramts-Bachelorstudium stehende Lehrkräfte.

Für Unterricht in Fächern, die mit einem besonderen Aufwand in der Vor-und/oder Nachbereitung verbunden sind (Sekundarstufe 1 und 2) gibt es eine Vergütung in drei

Ausprägungen (je regelmäßig zu erteilender Wochenstunde):

  • 25 € für in Sek 1 unterrichtete Gegenstände der LvGr I und II (zB D, M, Fremdsprachen)
  • 32 € für in Sek 2 unterrichtete Gegenstände der LvGr I und II
  • 13 € für in Sek 2 unterrichtete Gegenstände der LvGr III (zB H, Gg)

Eine Vorrückung im Gehaltsschema im nLD durch Anrechnung von facheinschlägiger Praxis oder Dienstzeiten bei Gebietskörperschaften, Präsenzdienst oder Zivildienst möglich. Ausbildungs- und Studienzeiten werden nicht mehr angerechnet.

 

Fragen und Antworten:

Q: Wieviele Sst. unterrichten im nLD?
A: 24. Sst.; in Sek 2, in D, M, Fremdspr. max. 20 Stunden.
Q: In der Induktionsphase?
A: nicht definiert, 1. Jahr der Anstellung auch mit weniger Sst.

Q: Bei einer Anstellung mit BEd?
A: 24. Stunden; da nur Unterstufe.

Q: Bei einer Anstellung mit MEd?
A: s.o. je Fächer, 20-24 Sst.

Q: Ist berufsbegleitendes studieren des MEd möglich?
A: Ja, allerdings keine Freistellung durch Schule.

Q: Mobilitätsunterstützung für Berufstätige*/besondere LV-Zeiten?
A: keine Verordnung.

Q: Fixanstellung ohne Master?
A: Nein.

Q: Dienstrechts-Verletzung?
A: Ja, aber keine automatische Kündigung.

Q: Anrechnung von Sonderdienstzeiten auf Laufbahn?
A: Ja, aber Studium zählt nicht dazu.

Q: Enumeration und Qualifikation von Mentor*innen?
A: bis 2030 30 ECTS, ab 2030 60 ECTS.

Q: Unterrichtspraktikum für Diplomabsolvent*innen?
A: Beginn bis Schuljahr 2018/19 möglich.

Q: auch Einstieg in altes Dienstrecht möglich?
A: Mit Abschluss Diplom + UP bis 31.08.2019 [Anm.ZV/BLA 2017: auch durch abgeschlossenen Sondervertrag vor 2019]

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