Offener Brief an Bildungsminister Heinz Faßmann

Zusammen mit Studierenden aus dem Master of Education haben wir diesen offenen Brief verfasst, der Bildungsminister Heinz Faßmann auf aktuelle Probleme in der Master-Praxis-Phase hinweisen soll, und eine gesetzliche Verankerung (u.a. im Lehrer*innen-Dienstrecht) fordert.

Wir würden uns freuen wenn ihr diesen Brief teilt und somit bekannt macht. Wir halten alle Lehramtsstudierenden des Verbunds Nord-Ost über weitere Entwicklungen auf dem Laufenden. Den Text gibt es auch hier als pdf zum Download.

eure Zentrumsvertretung / Basisgruppe Lehramt

 

 

An den

Bildungsminister Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann

Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung

Minoritenplatz 5, 1010 Wien

Wien, am 15.01.2019

 

 

OFFENER BRIEF

zur Ausfinanzierung und Ausgestaltung der Praxisphase im Master of Education

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Dr. Heinz Faßmann,

wir sind LehramtsstudentInnen des Verbunds Nord-Ost und möchten Sie mit diesem offenen Brief auf die derzeitigen und aufkommenden Missstände in der LehrerInnenbildung aufmerksam machen. Wer derzeit das Lehramtsstudium wählt, weiß, dass nach einer Ausbildung von mindestens sechs Jahren keine Garantie auf eine spätere Anstellung besteht. Bildung wird als Thema für parteipolitische Machtkämpfe missbraucht und unterliegt Ideologien, die mit der tatsächlichen Verbesserung von Unterricht wenig zu tun haben. Für uns, die mit Idealvorstellungen und aus Leidenschaft für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in die Ausbildung gestartet sind, hat sich daher im Laufe unseres Studiums immer mehr Ernüchterung eingestellt.

 

Nach der 2014 erfolgten Umstellung des Diplomstudiums Lehramt auf das Bachelor-Master-System zeichnet sich unsere Ausbildung vor allem durch kleinere und größere Stolpersteine aus, die nun in einem unfertigen, durch Verlegenheitslösungen gestalteten Master gipfeln. Diese Missstände manifestieren sich besonders deutlich im verpflichtend zu absolvierenden Praxisanteil des Masters. Bereits jetzt, während dieser noch vergleichsweise milde frequentiert ist, kann das Angebot an Praktikumsplätzen, für dessen Vorbereitung die Verantwortlichen (Bildungs- und Wissenschaftsministerien, Hochschulleitungen und Senate) jahrelangen Vorlauf hatten, die Nachfrage nicht einmal im Ansatz bedienen. Das bedeutet für einige von uns eine drastische Studienverzögerung. Diese Kluft wird sich in den kommenden Semestern voraussichtlich noch deutlich vertiefen und scheint besonders in beliebten Fächern schier unüberwindlich.

Informationen zur Organisation des Praktikums ändern sich je nach Auskunftsort mitunter wöchentlich. Die Kommunikation der zuständigen Stellen (Vizerektorat für Lehre, Stadt- und Landesschulräte, Praktikumsbüro) gegenüber den StudentInnen erscheint sehr mangelhaft. Bereits zu Beginn unseres Studiums, 2014/15, wurden wir zu den Eckdaten der Gestaltung, des Zeitaufwands und des Pflichtcharakters des Masters mit Verweis auf die Dauer des zugrundeliegenden Bachelors (8 Semester) auf die kommenden Jahre vertröstet.

Leider stellt sich nach Absolvierung des vierjährigen Bachelor of Education nun heraus, dass eine Praktikumsphase geplant wurde, die selbst in ihrer noch unvollständigen Skizzierung weder logistisch noch finanziell durchführbar ist. Dieser Umstand enttäuscht und macht gerade diejenigen wütend, die sich die letzten Jahre vor allem anderen darauf konzentriert haben, ihr Lehramtsstudium in der vorgesehenen Mindestzeit abzuschließen.

Die Konsequenzen dieser misslungenen Planungspolitik spüren nicht nur wir Studierenden. SchülerInnen aus Mödling forderten in einem offenen Brief im Juni 2018, höchstwahrscheinlich stellvertretend für viele andere, eine verbesserte praktische Ausbildung für Lehramtsstudierende. Diese sollten nicht “ins kalte Wasser geworfen werden”, sondern die Möglichkeit haben, ausreichend Erfahrungen zu sammeln, um mithilfe ihrer daraus geschöpften Erkenntnisse qualitativ hochwertigeren und vor allem didaktisch sicheren Unterricht leisten zu können. Um diesen Forderungen nach einer ausreichenden Vorbereitung auf unseren zukünftigen Beruf gerecht zu werden, ist eine Unterstützung von Seiten des Wissenschafts- und Bildungsministeriums unabdingbar. Die Universität kann nicht unabhängig von Vorgaben agieren, sondern ist aufgrund der ihr von der Politik gewährten finanziellen Mittel und festgesetzten Rahmenbedingungen in ihren Entscheidungen und Reformmöglichkeiten stark eingeschränkt. Absolut notwendig ist hier die Ausfinanzierung der Praxisphase, ausreichend Begleit-Lehrveranstaltungen in allen Unterrichtsfächern, einen Ersatz für mögliche lange Wege zwischen Wohn-, Studien- und Praktikumsort sowie die angemessene Bezahlung von BetreuungslehrerInnen.

Es müssen hier die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen werden, die es den Studierenden im Masterstudium erlauben, mit klar definierten Aufgaben und umfassender Betreuung zu arbeiten und Erfahrungen zu sammeln.

Dabei muss noch einmal betont werden, dass die aufwendige Betreuung angemessen entlohnt werden muss. Es ist PraxismentorInnen keinesfalls zuzumuten, die im Masterstudium geforderte intensive Begleitung der Studierenden ohne Bezahlung durchzuführen. Ebenfalls würde diese Maßnahme zu einer Aufwertung der MentorInnenarbeit und infolgedessen auch zu einer größeren Attraktivität der damit einhergehenden Fortbildung führen. Dahingehend ausgebildete Lehrkräfte tragen zur Qualitätssicherung des Lehramtsstudiums bei und so muss nicht, wie es derzeit Praxis ist, auf nicht-schulische Praktikumsmöglichkeiten oder auf LehrerInnen ohne jegliche Zusatzausbildung zurückgegriffen werden.

Im Sinne einer qualitätsvollen LehrerInnenausbildung fordern wir von Ihnen, sehr geehrter Herr Dr. Faßmann, dass im Master of Education eine entsprechende Menge an Praktikumsplätzen, vor allem auch in “Oberstufen-Fächern” wie Psychologie und Philosophie und diverse Sprachen, bereitgestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen,

stellvertretend für Studierende des Master of Education,

Jasmin Mayer, Vorsitzende Zentrumsvertretung LehrerInnenbildung an der Universität Wien

Wolfgang Wiesinger, BA, stv. Vorsitzender

Werbeanzeigen

Ein Kommentar zu „Offener Brief an Bildungsminister Heinz Faßmann

Kommentare sind geschlossen.