Zentrumsvertretung zu Aufnahmeverfahren im Lehramt

Stellungnahme der Zentrumsvertretung Lehramt vom WS 2013/14

Im Zuge der Umstellung des Lehramtsstudiums an der Universität Wien auf das Bachelor / Master System haben sich in den Arbeitsgruppen zur Curricularentwicklung auch Vertreter_innen der ÖH Uni Wien eingebracht. Die Vorbereitungen für die Arbeitsgruppen zum Lehramt Neu laufen seit Anfang 2013. Genau so lange wurde uns als Österreichische Hochschüler_innenschaft an der Universität Wien versichert, dass es bei der Einführung der neuen Lehramtsstudien keine Aufnahmeprüfungen geben wird.

Wenige Tage vor den Dezember-Feiertagen teilte uns das Rektorat mit, dass ab Herbst sehr wohl geplant ist, eben jene einzuführen.

Rektorat sabotiert die Studienvertretung
Da die Position der ÖH Uni Wien zu Aufnahmeregelungen bestens bekannt war – nämlich die Zurückweisung jeglicher Hürden zum Uni-Zugang – hatte das strategische Vorgehen des Rektorats ganz klar das Ziel, der studentischen Kurie die Möglichkeit eines Einspruchs und Widerstands zu nehmen. Dass bei so wichtigen Entscheidungen die gesamte studentische Kurie und mit ihr alle Studierenden vorsätzlich belogen und hintergangen wird, zeigt, dass die Universität Wien die Expertise und Bedürfnisse der Student_innen mit Füßen tritt: Die Studierenden, die sich Tag für Tag und Jahr für Jahr mit den Uni-Strukturen,  Prüfungsordnungen und Bürokratie, mit Lehrenden und Lehrplänen auseinandersetzen, werden so jeglicher Mitentscheidung beraubt.

Bereits bei einer Podiumsdiskussion vergangenen Oktober zur Zukunft des Lehramtsstudiums mit Vizerektorin für Lehre Christa Schnabl und Festrednern wie Rektor Heinz Engl und dem damaligen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle hat die ÖH Uni Wien bereits darauf hingewiesen, wie die Curriculaentwicklung aktuell sabotiert wird: Teilweise nicht nachvollziehbare Sach- und Zeitzwänge, die vom Vizerektorat für Lehre vorgegeben werden, erschweren eine ausgereifte Curriculaentwicklung und Diskussionen auf Augenhöhe. Einen Umstand den Vizerektorin Schnabl am Podium nicht bestritt, aber auch nicht ausräumen wollte. (Artikel: „Diskussionen zur Semestereröffnung des Zentrum für LehrerInnenbildung“. 22.10.2013.).

Die aktuelle Entwicklung und die drohende Einführung der Zugangsbeschränkung stellen nun den Gipfel der Dreistigkeit des Rektorates und der Unileitung dar.

Bologna-Prozess vs. Wissenschaftlichkeit
Seit der Verabschiedung des Universitätsgesetzes 2002 und der damit einhergehenden Umsetzung des Bolognaprozesses an den Universitäten wurde studentische Mitbestimmung immer weiter zurückgedrängt. Zu verdanken haben wir das der damaligen Koalition von FPÖ und ÖVP, die damit wieder den Grundstein für eine Elite-Uni setzen wollen.

Die aktuellen bildungspolitischen Entwicklungen an der Universität Wien führen dieses Vorhaben weiter: Sie zeigen, dass das Rektorat der Universität Wien versucht, auch in den letzten verbliebenen Gremien, in denen Studierende real die Möglichkeit zur Mitbestimmung haben, eben jene versuchen zu unterlaufen, wenn nicht sogar aktiv zu verhindern.

Die Intention hinter dem Bolognaprozess zeigt sich immer mehr: Vorgeschobene Argumente wie bessere Vergleichbarkeit oder internationaler Austausch stellen sich mehr oder weniger als Farce heraus – was auch vielen Erasmusstudierenden aus eigener Erfahrung bekannt sein mag. Vielmehr geht es anscheinend darum, den Zugang zu den Hochschulen weiter zu erschweren, kritische Inhalte und Mitbestimmung (wenn denn vorhanden) zurückzudrängen und die Verwertbarkeit der in der Uni herausgebildeten Arbeitskraft zu steigern anstatt (selbst)kritische Wissenschaft, die gesellschaftliche Entwicklungen in den Blick nimmt, zu stärken.

Kritik an Aufnahmeverfahren
Als Österreichische Hochschüler_innenschaft an der Universität Wien lehnen wir jede Maßnahme, die einem freien Hochschulzugang entgegensteht, vehement ab. Sowohl Studiengebühren als auch Aufnahmeverfahren/-prüfungen, aber auch die Studieneingangs- und Orientierungsphase (Steop) führen dazu, dass Universitäten nachhaltig nur mehr von Studierenden aus privilegiertem Umfeld besucht werden können. Bestehende Aufnahmeverfahren zeigen, dass die Intention, eine Qualifikation feststellen zu können, scheitert und einfach nur eine soziale Hürde darstellen.

Das Lehramtsstudium muss, wie alle anderen Studien auch, für alle zugänglich sein!

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